Ist Ökostrom aus RECS-Zertikaten wirklich grün? Bekomme ich bei einem Strompreisvergleich auch wirklich grüne Stromanbieter angezeigt? Diese Fragen stellen sich viele Verbraucher, wenn Sie einen neuen ökologischen Stromanbieter suchen.
Viele Stromkunden erwägen bei einem Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter, einem Öko-Stromanbieter den Vorzug zu geben. Hierbei sollte man sich mit dem Begriff RECS (engl. Renewable Energy Certificate System) beschäftigen – sonst ist die Enttäuschung eventuell gross, doch keinen richtigen Ökostrom zu beziehen.
Die kostenlosen Stromrechner für die Ermittlung eines günstigen Stromtarifs auf den 3 besten deutschen Stromvergleichsportalen CHECK24, VERIVOX oder TopTarif bieten ein zusätzliches Auswahlfeld, ob man als Ergebnis nur Ökostrom-Anbieter angezeigt bekommen möchte oder nicht. Aber Achtung: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom!
Wirklich grüne Stromanbieter:
Wenn Sie Strom ohne RECS-Zertifikate beziehen möchten, dann sollten Sie sich hier über die Testsieger von puren Ökostrom informieren.
Viele Stromanbieter werben hier mit grünem Strom, Ökostrom, alternativen oder nachhaltig produzierten Strom. Doch was ist eigentlich grüner Strom?
RECS – Öko drauf aber nicht drin:
Unter RECS (engl. Renewable Energy Certificate System), auch RECS-System genannt, versteht man ein Zertifikatssystems für erneuerbare Energien. RECS gibt es seit 2002 und wird derzeit in 15 europäischen Ländern für den Handel von Grünstromzertifikaten (engl. Renewable Energy Certificates (RECs), Green tags, Renewable Energy Credits, oder Tradable Renewable Certificates (TRCs)) verwendet.
Die Vorgehensweise ist folgende: Ein Ökostrom-Produzent (Energie aus Windkraft, Wasserkraft, Sonnenwärme, Solar, Biomasse) bekommt für jede erzeugte Einheit (= MWh) ein Ökostrom Zertifikat. Dieses Zertifikat verkörpert den Umweltnutzen gegenüber herkömmlich produzierter Energie (Braunkohle, Steinkohle, Erdöl, Erdgas, Atomkraft). Der Ökostrom-Anbieter kann nun dieses Zertifikat an andere Stromversorger auf dem freien Zertifikate-Markt verkaufen, welche es dann zum Eigenbedarf verwenden können. Genauer heisst das, dass mit diesem grünen Zertifikat der eigene (schmutzige) Strom als Ökostrom verkauft werden kann. Eine tolle Marketing-Aktion, denn heutzutage hat fast jeder noch so schmutzige Stromanbieter auch einen Ökostrom-Tarif im Angebot!
Es wird also unterschieden zwischen einem tatsächlich physisch hergestellten Strom und in einen virtuellen Strom in Form von RECS-Zertifikaten. Jeder Stromanbieter kann also diese Zertifikate kaufen und sich so als “grüner Stromanbieter” verkaufen. Offensichtlich eine Mogelpackung – aber rechtlich ganz legal, was auch immer wieder Verbraucherschützer bemängeln. Grund: Täuschung der Verbraucher!
Das Portal CHECK24 bietet auch einen extra Strompreisvergleich für grüne Stromanbieter an. Hier geht es zum grünen Strompreisvergleich vom Stromvergleichsportal CHECK24.
Die BIO-Eier-Mafia:
Die Umetikettierung von schmutzigen Strom (erzeugt aus Kohle, Braunkohle, Erdgas, Erdöl, Atomenergie) zu grünen Strom (erzeugt aus regenerativen Energien wie Wind, Wasser, Sonne, Biomasse) kann anhand eines Eierkaufs verdeutlicht werden:
Die bewusst lebende Berta Green aus Berlin Prenzlauer Berg hat sich geschworen, nur noch BIO-Eier zu kaufen, da sie Hennen in Käfighaltung ablehnt und deren gestresste Eier sowieso. Sie kauft nun jedesmal die BIO-Eier im Laden und hat einfach ein gutes Gefühl – es steht ja BIO drauf! Doch oh Schreck – eines Tages erfährt sie zu Hause, dass diese Eier nur RECS-zertifiziert sind (Renewable Egg Certificate System).
Was heisst das nun?
Nun, es stand zwar BIO drauf, doch sie hat in Wirklichkeit Käfigeier im Kühlschrank, deren Etikett mit echten BIO-Eiern vertauscht wurde. Geschockt nimmt sie nun zur Kenntnis, dass das RECS-Symbol auf der Packung nur besagt, dass irgendwo in Europa die gleiche Menge BIO-Eier erzeugt (gelegt) worden sind, wie sie Käfigeier gekauft hatte. Berta hat somit nahezu ihr gesamtes Geld für die Subventionierung des Systems der Käfighaltung ausgegeben. Nur ein Bruchteil ihres Geldes ging direkt an die BIO-Eier-Produzenten. Berta Green rennt sofort in ihren Bio-Laden um die Ecke und schmeisst die Eier ihren Bio-Fachverkäufern um die Ohren.
Das geht zwar mit den BIO-Eiern doch nicht mit dem sogenannten Öko-Strom. Diesen muss man behalten, bzw. kann man erst wieder kündigen, wenn die entsprechende Frist verstrichen ist. Ausserdem ist diese Mogelpackung ganz “legal” und jeder RECS-zertifizierte Strom darf sich so Ökostrom oder grüner Strom nennen. Der Grund ist, dass der Begriff “Ökostrom” keine Standards hat und nicht definiert ist.
Erklärung in Anlehnung an heise online.
Fazit:
Wer also “richtigen” also puren Öko-Strom haben will, sollte darauf achten, dass er NICHT RECS-zertifiziert ist. Die Auswahl ist hier recht schwierig, da es Anbieter von reinem Öko-Strom kaum gibt.
Einer davon ist Tchibo, der den Grünen Strom anbietet, welcher zu 100% aus Wasserkraft in Norwegen produziert wird und in das deutsche Stromnetz eingespeist wird. Zusätzlich erhalten Neukunden noch einen Bonus in Form einer Stromgutschrift bei der nächsten Strom-Jahresendabrechnung in Höhe von 25 Euro. Jetzt zum Tchibo-Ökostrom informieren.
Dennoch sollten die RECS-Zertifikate nicht gänzlich verteufelt werden, da sie indirekt auch bei herkömmlichen Stromanbietern eine grüne Nachfrage produzieren, die ja irgendwo auch wirklich produziert werden muss. Wir befinden uns gerade in einer Phase, in der der Strommix aus alten und neuen Energieträgern die Regel ist, d.h. die Mischung von Strom aus herkömmlichen (fossilen) und regenerativen (Wasser, Wind, Sonne, Biomasse) Energieträgern erzeugt wird.
Wichtig ist, dass der Anteil von regenerativ erzeugten Strom stetig steigt und langfristig die fossilen Energieträger verdrängt. Jeder kann einen Teil dazu beitragen – auch mit Ökostrom basierend auf RECS-Zertifikaten.
